Als ich Avi heiratete, glaubte ich fest daran, dass Liebe und Kavod die Grundlage für unsere Ehe sein würden. Doch im Laufe der Jahre veränderte sich Avi. Er hörte auf, meine Kochkünste zu würdigen, schenkte der Wärme in unserem Zuhause keine Beachtung mehr und war bei jeder Gelegenheit voller Spott und Hohn.
Am schlimmsten jedoch waren die Schabbatessen bei uns zu Hause in Jerusalem oder die Feiertage, wenn die ganze Familie um den großen Tisch versammelt war. Avi machte sich dann mit sichtbarem Genuss über mich lustig, erzählte allen kleine Missgeschicke von mir, machte aus einem einfachen Fehler einen ganzen Witz, bis alle lachten immer auf meine Kosten.
Ich habe gelitten. Jahre lang habe ich überhört, gelächelt, auf die Zähne gebissen und mir eingeredet, so sei eben seine Art, zu reden. Doch an unserem zwanzigsten Hochzeitstag, als sich unsere Kinder, die Schwiegereltern, Verwandten und Freunde in unserem Wohnzimmer in Tel Aviv versammelt hatten, übertraf sich Avi. Vor allen sagte er mit einem Grinsen, ich könnte ohne seine weisen Ratschläge nicht einmal alleine eine Woche überleben. Das Gelächter war laut, doch in meinem Herzen zerbrach etwas.
In der Stille jener Nacht beschloss ich: Avi würde bekommen, was er verdient. Es sollte aber keine laute, dramatische Rache sein, kein Tumult, kein Aufstand. Meine Vergeltung sollte fein und weise sein, genau wie es in den alten Geschichten war.
Ich begann, mir selbst Zeit zu schenken. Ich meldete mich zum Töpferkurs im Gemeindezentrum an, fing wieder an, morgens am Strand zu joggen, und das war am wichtigsten kochte weiter all die Gerichte, die Avi so liebte. Doch sie schmeckten plötzlich nicht mehr wie früher. Mein berühmtes Shakshuka war zu scharf, der Kaffee zu schwach, und seine Hemden, die ich glättete, waren voller Falten.
Er murmelte Beschwerden, nörgelte am Esstisch. Ich aber lächelte leise und antwortete: Tzarih slicha, chayyim. Vielleicht bin ich zu müde heutzutage.
Dann zeigte ich ihm, dass ich auch ohne ihn ein Leben habe. Ich traf mich mit Freundinnen im Café, verbrachte Stunden im Park mit unserem Hund Boaz und lernte wieder neue Leute kennen. Avi, der mich stets als seine stille, gehorsame Eshet Chayil gesehen hatte, wurde unruhig. Es störte ihn, dass ich selbstständiger, selbstbewusster und wie er sagte schwer zu erreichen geworden war.
Der Höhepunkt kam an seinem fünfzigsten Geburtstag. Ich veranstaltete eine große Feier, lud seine alten Freunde aus dem Moshav, Kollegen und Verwandte ein und mietete ein schickes Lokal am Rothschild-Boulevard. Alle waren festlich gekleidet; die Gläser voller Wein; die Atmosphäre wie bei einer Chupah. In meiner Rede aber preiste ich ihn nicht ich erzählte witzige, aber auch unangenehme Anekdoten über seine eigenen Pannen, seine berühmte Vergesslichkeit und seine Tollpatschigkeit im Alltag.
Ich tat das mit einem warmen Lächeln, fast spielerisch doch ich sah, wie Avi errötete; seine Fäuste hielt er unter dem Tisch geballt. Die Gäste lachten, der ganze Saal jubelte, während er stumm schwieg.
Nach dem Fest blieb er tagelang still, ganz in Gedanken versunken. Ich sah es in seinen Augen: Er hatte verstanden. Die Kontrolle, die er einst über mich hatte, war dahin. Er versuchte, zur alten Ordnung zurückzukehren, mich mit Spott zu verletzen doch ich war nicht mehr dieselbe. Ich hatte gelernt, für mich einzustehen, meinen Selbstwert zu sehen.
Mit der Zeit hörte Avi auf, mich vor Familie und Freunden bloßzustellen, half wieder im Haushalt, brachte mir kleine Aufmerksamkeiten und murmelte eines Abends: Du bist anders geworden Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
Ich schenkte ihm ein leichtes Lächeln und ging meinen Weg. Manchmal bedeutet Rache im Leben nicht Vergeltung, sondern Veränderung. Sie macht uns stärker und zeigt anderen, was wirklicher Respekt bedeutet.
Jachin.Tisrei.







